Jaipur

Nach unserem Trip zum Taj Mahal geht es nun mit dem Auto nach Jaipur, der Hauptstadt von Rajasthan. Wir kommen am 3. Januar gegen Abend an.

4. Januar
Am Morgen geht es zum Amber Fort, einer gelbfarbigen Festungsanlage etwas außerhalb von Jaipur. An einem See gelegen sieht sie bei strahlenden Sonnenschein wunderschön aus und wir haben jetzt richtig das Gefühl von Urlaub! Auch hier ist wieder Selfie-Mania angesagt. Der Palastkomplex streckt sich über diverse Innenhöfe in die Länge. Angefangen vom ersten Hof, auf dem es einen großen offenen Empfangssaal mit Säulen gibt über sehr verwinkelte Räume zum 2. Hof mit einem weiteren offenen – diesmal viel eleganter besäulten und mit silbernen Fließen verzierten – Saal und hübsch angelegtem Garten. Der 3. Innenhof schließlich war der, in dem die Frauen wohnten. Ein Herrscher hatte bis zu 35 Frauen, die darum buhlten, dass deren Sohn der nächste Herrscher werden würde oder zumindest eine im Staat wichtige Funktion einnehmen könnte.

Auf dem Rückweg fahren wir vorbei am City Museum / Albert Hall.

Abends fahren wir zum Peacock Rooftop Restaurant, das Open Air und mit ganz vielen Lichtern dekoriert ist. Wir bekommen aber Decken, es gibt Feuerstellen und eine 3-er Kombo singt im Schneidersitz und traditionellem Outfit Hindi-Lieder, die der Sänger aus seinem handgeschriebenen Textbuch abliest. Die Atmosphäre ist sehr schön und das Essen köstlich!

5. Januar
Es heißt es wieder mal früh aufstehen. Um 6.45h treffen wir uns an einer wenig vertrauenserweckenden Ecke der Stadt für unsere Bike Tour „Inside Pink City“. Zum Glück kommt direkt unser Guide und führt uns in eine Art Hotel-Restaurant, vor dem wir und zwei weitere Paare unsere Räder zugeteilt bekommen. Erster Stop ist der Palast der Winde, den wir – wie könnte es anders sein – von einem Rooftop aus anschauen – pünktlich zum Sonnenaufgang.

Auf den Rädern werden wir von zwei Guides begleitet. Einer fährt voran, dann wir alle möglichst eng hintereinander hinterher und am Ende oder neben uns Raju, der zweite Guide, der versucht, möglichst alle anderen Verkehrsmittel durch heftiges Winken von uns fernzuhalten. Wir fahren durch eines der Terrakotta Stadttore und halten kurz an. Mehrere ältere Männer verkaufen Mais- und andere Körner, die man als Taubenfutter kaufen kann. Hindus verehren alle Tiere und füttern sie daher auch, meist morgens auf dem Weg zur Arbeit. Es gibt sogar Futter für Ameisen zu kaufen! Raju holt eine Körnermischung, die wir an die Tauben verfüttern, um am heutigen Tag gutes Karma zu haben. Neben uns kaufen die Leute diese Körner sackweise. Jetzt geht es zum Gemüsegroßmarkt. Im Gänsemarsch trippeln wir Raju hinterher und steigen über diverse Gemüse und andere Hindernisse bis zur Plattform in der Mitte des Marktes, der sich in einem Innenhof befindet und in dem ein wildes Treiben und Gewusel herrscht. Es werden (immer auf Stapeln auf dem Boden) in Massen u.a. Karotten, Spinat, Kartoffeln und riesige Korianderberge angeboten. Die Einkäufe werden von einem Tuch zusammengebunden und von den hier angestellten Frauen auf dem Kopf nach draußen transportiert.

Ein paar Meter weiter ist der Blumenmarkt, auf dem man Blüten kaufen kann, aus denen z.B. Blumenketten gebastelt werden können. Wir machen an einer kleinen Bude Pause und bekommen auf kleinen Tonnen sitzend Chai Masala und eine Art Blätterteigstange – soviel also zu „nichts von den Straßenständen essen“ 🙂

Durch kleine dunkle Gassen, durch die wir selbst nie gegangen wären, und die auf beiden Seiten von einer Gosse gesäumt sind, radeln wir gefühlt über Stock und Stein zum Haus, in dem Raju wohnt. Durch einen düsteren Treppenaufgang gelangt man nach ein paar Etagen auf eine Dachterrasse. Hier wird Kuhmist zu runden Fladen geformt getrocknet und gelagert, damit man es als Brennholz verwenden kann. Ein Stück weiter geht es durch die dunkle Küche in ein karges Zimmer, in dem wir die Schuhe ausziehen und auf dem Teppich sitzend unser Frühstück serviert bekommen. Teigbällchen und eine Art Daal, in das man die zerstückelten Teigbällchen wirft – sehr lecker. Wir sehen diverse Pokale und erfahren, dass Raju jahrelang erfolgreich Cricket gespielt hat, Kapitän seiner Schule war, für Jaipur und Rajasthan gespielt hat und sogar in der Indien-Auswahl U14 bis U17 stand. In den weiteren Teams hat er dann wohl festgestellt, dass Cricket ab einer gewissen Liga sehr korrupt ist und nur die Rich Kids bzw. die mit Connections in die Kader kamen. Jetzt hat er seit ein paar Jahren diesen Job mit den Bike Touren. Ich frage, wie in diesen Gassen und Häusern mit jeweils so vielen Familien Post ankommen kann und er sagt, dass sich hier alle kennen und der Briefträger sich ganz einfach durchfragt. Allein sieben aneinandergrenzenden Häuser in dieser Straße gehören zu seiner Familie. Immer wenn jemand heiratet, wird ein Teil des Hauses für die neue Familie abgetrennt. In dem kleinen Haus gegenüber wohnen so z.B. 48 Leute. Letzter Stop der Tour ist bei den Marmor-Steinmetzen. Diese fertigen nach Auftrag bis zu mannsgroße Statuen von Hindugöttern oder auch von Privatpersonen. In Pink City hatten wir schon viele Geschäfte gesehen, die diese Figuren verkaufen.


Wir schlendern noch etwas durch Pink City und auf dem Weg ins Hotel kauft Dino später endlich einen Pashmina Schal, wie ihn hier viele Männer tragen.

Auf der Dachterrasse des Hotels lesen wir bei Bierchen (Dino) bzw. Kaffee (Verena) gemütlich in der Sonne. Abends essen wir im Four Seasons (nicht zu verwechseln mit der Hotelkette) – es ist ein einfaches, aber sehr sauberes und gutes vegetarisches Restaurant.

6. Januar
Wir machen uns auf in die Stadt zum City Palace und sind extrem positiv überrascht! Schon davor herrscht nicht das sonst übliche Gewusel, sondern es ist eher ruhig und sieht ein bisschen aus wie in Sevilla. Der Audioguide ist diesmal auch wirklich super! Der Audioguide hat sogar 2 Kopfhörer Eingänge, sodass jeder von uns seine Kopfhörer nutzen kann und wir insgesamt nur 1 Audioguide brauchen (Dino der Sparfuchs versucht bei jeder Gelegenheit Geld zu sparen :-)). Es gibt drei Höfe: im ersten ein Gästehaus inkl. Museum mit alter Kleidung der Herrscherfamilien und Kunst bzw. Fotografie. Im zweiten dann eine Art offene Empfangshalle mit zwei riesigen silbernen Behältnissen, die im Guiness Buch der Rekorde als größte existierende Silbergegenstände aufgeführt sind. Sie wurden von einem der Maharadschas in Auftrag gegeben, als er zur Krönung eines englischen Königs nach Großbritannien reiste, um das heilige Wasser des Ganges darin zu transportieren und somit einen Teil seines Landes und seines Glaubens an seiner Seite zu haben. Der letzte Innenhof führt zum Palast, in dem noch heute die Nachfolger und aktuelle Königsfamilie wohnt. Wenn sie anwesend sind, wird die entsprechende Fahne auf dem siebenstöckigen Haus gehisst.

Nachmittags geht es auf nach Pushkar, einer Pilgerstadt für Hindus.

9 thoughts on “Jaipur

  1. Endlich mal ein neuer Author.
    Der andere Author hatte ja absolut keine Lust.
    Sehr schön zu lesen der Bericht! Gerne mehr davon.
    Ich warte aber noch auf die Übersetzung ins Englische 🙂 Vielleicht kann die Fleißarbeit an den faulen ersten Author übertragen werden.

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