Kerala

Die letzte Woche unserer Indienreise verbringen wir in Kerala mit Dinos Eltern. Schon bei der Ankunft fange ich an zu staunen: Der Flughafen ist sehr modern, die Toiletten sind nach denen vom Leela Palace und Radisson Blu die besten, die ich in Indien gesehen habe (es duftet nach Rosenblättern!). Als wir im Taxi den Flughafen verlassen, sehe ich ein ganz neues Indien: gute Straßen, Beleuchtung, richtige Häuser mit Leuchtreklamen und keinerlei Müllberge! Außerdem wird beim Fahren kaum gehupt und es sind gar keine Kühe, Hunde, Pferdekarren o.ä. auf der Straße unterwegs. Es gibt sogar Zebrastreifen! Die Geschäfte & Kioske sind größer, haben Glasscheiben und bieten sehr geordnet ihre Waren an. Außerdem ist die Landschaft wegen des anderen Klimas hier viel grüner und es gibt sehr viele Palmen. Nach ca. einer Stunde kommen wir bei Dinos Eltern an, quatschen noch etwas und gehen dann schlafen.

An einem Tag fahren wir mit Verwandten von Dino in Richtung Munnar, mittem im Teegebiet von Kerala.

Dort werden wir um 5h morgens im Stockdustern von unserem Jeepfahrer abgeholt. Dino und ich sitzen vorne, was ganz gut ist, weil man da zumindest sieht, wo man hinfährt. Unser Fahrer, der nur Flipflops trägt, dreht die Musik volle Kanne auf und fährt auf dem Lenkrad trommelnd seelenruhig über die Schotterpiste. Die Wege sind wirklich off-road und bestehen nur aus Steinen und Löchern. Wir wackeln und hüpfen im Auto auf und ab und halten uns die ganze Zeit krampfhaft fest. Es ist noch stockduster und wir fahren auf Serpentinen durch die Teefelder und einen Berg hoch, den Kolukkamala. Oft denken wir, dass wir jetzt definitiv den Abhang runterstürzen, aber irgendwie kommen wir doch oben an. Wir müssen noch 5 min den Berg hoch laufen, dann stehen wir auf einem Bergkamm in Tamil Nadu (Nachbarstaat von Kerala), dem Sunrise Kolukkamalai Viewpoint. Aur der einen Seite sehen wir Teefelder, auf der anderen ganz viele Bergspitzen im Nebel, hier geht bald die Sonne auf. Es sind recht viele andere Leute auch hier oben und alle frieren, weil es unter 10 Grad sind und eben noch keine Sonne da ist. Der Sonnenaufgang dauert nur ein paar Minuten und ist wirklich wunderschön. Danach ist es direkt viel wärmer und die Aussicht immer noch toll – insbesondere, wie der Nebel zwischen den Bergen hängt.

Die Rückfahrt im Jeep ist nicht mehr ganz so schlimm. Wir frühstücken noch im Hotel Masala Dosa und dann starten wir die Rückfahrt. Wir kommen an diversen Aussichtspunkten vorbei und halten noch am Cheruthoni Damm, über den wir auch laufen.

Mittlerweile sind Dens und Lisa mit Devin in Indien angekommen. Wir fahren alle gemeinsam mit dem Bus nach Kumarakom, wo wir unsere Houseboat Tour starten. Unterwegs sammeln wir noch Verwandte und Bekannte von Dino ein. Das Boot ist ziemlich groß und hat 2 Schlafzimmer, eine Küche und vorne eine große überdachte Terrasse mit Tisch, Stühlen, Bänken und Sofas. Hier sitzen alle den ganzen Tag, während wir gemütlich durch ein paar Kanäle und später über einen See schippern. Nach ein paar Stunden gibt es Mittagessen – gegrillten Fisch und diverse Curries.

Auf dem Rückweg bringen wir Lisa und Dens mit Devin nach Kaduthuruthy zu Lisas Eltern. Der ganze Bus kehrt ein und Lisas Mutter hat für alle gekocht, dabei hat sich manche Leute davon bestimmt noch nie gesehen! Aber da scheint hier normal zu sein, alle setzten sich selbstverständlich hin und essen:-) Ich habe gar keinen Hunger, also packt Lisas Mutter mir noch massenhaft Essen ein, damit ich später nicht verhungere. Als wir weiterfahren ist es schon dunkel und jetzt kommen die Lichteffekte des Busses erst richtig zur Geltung! Blaue und pinke Lichteffekte umrahmen die Fenster und von alter Popmusik begleitet (u.a. Barbie Girl) fahren wir zurück nach Thodupuzha. Was für ein Tag!

Am nächsten Morgen fahren wir zu Dinos Onkel in Veliyanad. An der gleichen Stelle stand das Elternhaus von Dinos Vater, wo Dino als kleines Kind oft im Sommer war. Die Gegend ist sehr schön, es gibt ganz viele Kanäle und Reisfelder. Die Straße, auf der wir zum Ort fahren, gab es bis vor 20 Jahren nicht – dann kam man nur mit dem Boot dorthin.

 

Später fahren wir weiter nach Kottayam zu Seematti, wo wir einen Sari für mich kaufen wollen! Ich freue mich total drauf! Suche einen Sari in Pink, Türkis und / oder Dunkelbau mit Gold. Die Verkäufer geben einem alle möglichen Saris in allen möglichen Farben, aber mir gefällt fast keiner. Ich möchte gerne einfach was knalliges, aber simples mit ein bisschen Muster vorne an der Schärpe, aber das scheint nicht so einfach zu sein. Und obwohl ich die Farben ja klar definiert habe, werden nacheinander immer mehr Saris aus dem Regal genommen und vor mich gelegt, die einfach irgendwelche Farben haben. Nach ein paar Stunden sind wir alle platt und gehen erstmal Mittagessen. Wir gehen wieder zurück zu Seematti, diesmal in eine andere Section. Wieder ist nichts dabei, obwohl wir wirklich viel anschauen. Ganz oft gefällt den anderen etwas und sie schauen mich mit großen Augen erwartungsvoll an. Aber mir gefällt kein einziger davon gut und ich fühle mich inzwischen auch ganz schlecht, weil wegen mir jetzt alle Stunden in diesem Laden verbringen. Ich bin total frustriert! Bevor wir gehen, schaue ich nochmal an einer anderen Stelle im Laden vorbei und sehe einen pinken mit Goldpunkten, den ich anprobieren möchte. Diesmal werde ich auf ein Podest gestellt (das ist jetzt die teurere Abteilung) und nachdem mit der Sari grundsätzlich gefällt, er aber nicht super ist, haben wir endlich einen Verkäufer, der auf unsere Kommentare eingeht und einen Sari nach dem nächsten heranholt, der ergänzt, was ich gerade gesagt habe. Irgendwann, als wir alle schon aufgegeben haben und ich kurz davor bin, mich vom Saripodest zu stürzen, finden wir einen Pinken mit Goldmuster, der allen gefällt. Ich bin jetzt fix und fertig und so froh, dass mir einer gefällt, dass ich ihn nehme. Er hat keine Knallfarben, kein Muster an der Scherpe, aber der Pinkton passt und ich will hier raus. Wäre der Laden in Thodopuzha (wo Dinos Eltern wohnen), hätte ich ihn vermutlich nicht gekauft und nochmal ne Nacht drüber geschlafen. Morgen werde ich ihn nochmal in Ruhe und geduscht anprobieren und sicherstellen, dass er wirklich top ist!*

Am letzten Tag haben wir kein großes Programm. Wir sind zuhause und gehen irgendwann in die Stadt, wo wir mittags in der Polizeikantine essen. 255 Rupien (unter 4 Euro!) für 4 Thalis und es ist köstlich! Lisa und ich bleiben in der Stadt und gehen noch etwas shoppen. Später kochen Dino und ich, was wir unseren Kochkursen gelernt haben: Aloo Tikki (das ist köstlich!), und außerdem Dhal, Cashew Curry, Aloo Ghobi Mutter und Chapatis.
Zwischendurch fahren Dinos Mama und ich noch zur Schneiderin, die die Blouse für meinen neuen Sari machen soll. Die kleine sehr nette und herzliche Frau wohnt mitten im Wald in einer winzigen Hütte zusammen mit ihrem Mann, ihrer Tochter und Enkeln. Inzwischen ist es dunkel, das Licht ist an und es gibt gefühlt 100te Fliegen im Raum. Wie durch ein Wunder werde ich nicht gestochen.
Wieder zurück kochen wir zuende und essen dann erst gegen 22.30h. Dann packen wir und machen uns dann um 0.30h auf zum Flughafen. Vor uns in der Schlange sind nur 3 Leute, aber es dauert ewig. Fast jeder gibt entweder Koffer und Pappkartons oder alternativ auch nur Pappkartons auf. Wir möchten wie Sumal letztes Jahr zur Business Class upgegradet werden. Wir tun 20€ in den Pass, leider gibt es aber keinen Counter mit einem Mann. Als wir endlich dran sind und Dino die Pässe abgibt, sagt die Dame als erstes „no cash please“ und gibt Dino das Geld zurück. Das hat ja schonmal gut geklappt!… und nun heißt es Goodbye Indien und Hello New Zealand!

________________

* Der Check am nächsten Tag zeigt: Der Sari ist wunderschön, ich habe ihn also nicht aus purer Verzweiflung genommen, sondern weil er einfach der schönste von allen war. Puh – Glück gehabt!

5 thoughts on “Kerala

  1. Was für tolle Berichte! Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich gerad erst dazu gekommen bin sie alle richtig durchzulesen:)
    Wahnsinn was ihr alles schon erlebt habt und von Neuseeland wissen wir noch gar nichts
    Weiter so!
    Freu mich auf ein Wiedersehen im schicken pinken Sari!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.