Zugfahren! Going on a train!

Ravi, der Mann unserer Unterkunft in Pushkar, hat uns über diverse Mittelmänner Zugtickets besorgt. Wir sind 45min vor Ankunft des Zuges da, was uns sehr beruhigt, als wir sehen, dass der Zug vor uns einfach mal 15 min vor offizieller und auch angezeigter Abfahrt losfährt. Wir sind ziemlich aufgeregt, weil wir uns nicht sicher sind, was sich unter der von uns gebuchten Zugklasse CC verbirgt. Einerseits könnte es ein normales klimatisiertes Abteil mit einzelnen nummerierten Sitzen sein, aber andererseits auch ein Platz in einer Klasse, in der es statt Fensterscheiben Metallstreben gibt und kleinere Abteile mit Bänken, die rappelvoll besetzt sind. Zum Glück ist unser C1 Abteil eines der ersten Sorte und wir machen unsere erste Zugfahrt durch Indien: 5 Stunden von Ajmer nach Jodhpur.

Vor uns sitzen drei Chinesen mit Mundmasken und ich kann Dino nur schwer zurückhalten, sie zu fragen, wann denn nun endlich der Kontrabaß dazukommt. Sie hängen die ganze Fahrt lang an ihren Handys. Schräg gegenüber reist ein Inder mit Laptop, der unterwegs natürlich sein indisches Essen auspackt. Inder packen überall ihre Pöttchen mit Curry und anderen Gerichten plus Naan oder anderes Brot aus und essen – meist auf dem Boden sitzend – in aller Ruhe: mitten im Getümmel irgendwo auf der Straße, innerhalb von Sehenswürdigkeiten, z.B. an der Jama Mashid von Delhi oder auch gerne im Auto oder in der Riksha (während sie dort total gequetscht und quasi übereinandergestapelt sitzen) ….

Der Zug hat mehrere Stops, an denen er 20-30 min hält, und an einem Stop holt Dino uns wagemutig auch etwas zu Essen von einem der Stände am Gleis: ein Kartoffelgericht mit Poori-Brot, ganz klassisch serviert auf Zeitungspapier. Wir essen das vor Anbruch der Dunkelheit, um für den Fall der Fälle noch bei Tageslicht die Zugtoilette aufsuchen zu können, was wir ja eigentlich vermeiden wollen (alles geht gut!:-)).

Unterwegs ist es sehr witzig zu sehen, wie anders vs. Deutschland der Verkehr vor den Bahnschranken ist: Es warten dort meist Radfahrer, Verkäufer mit Karren, Rikshas, ein paar Autos und im Zweifel auch ein paar Kühe.

Mit einer halben Stunde Verspätung kommen wir in Jodhpur an und fahren nach harten Verhandlungen mit dem Riksha-Fahrer zu unserer Unterkunft. Ich bin jetzt noch dankbar, dass wir diese Fahrt überlebt haben. Dass hier alle kontinuierlich hupen und recht willkürlich plötzlich ihr Lenkrad rumreißen, weil jemand quer vor sie fährt oder weil irgendein Tier im Weg steht, ist ja normal. Aber dieser Typ fährt in den maximal 2m breiten Gassen, die total vollgepackt sind mit Radfahrern, Riksha-Fahrern und Fußgängern immer gefühlt mindestens 50km/h, macht diverse Vollbremsungen und fährt auch noch einen Fußgänger um, den er dann anschreit, warum er denn zum Teufel auch so blöd im Weg rumstand.

Mr. Joshi vom Raj Mandir Guesthouse erwartet uns schon und sagt, dass wir sehr viel Glück haben, dass der Zug nur 30 min verspätet war. Seine Gäste, die gestern den gleichen Zug genommen hatten, kamen geschlagene 12 Stunden später an.

6 thoughts on “Zugfahren! Going on a train!

  1. „Vor uns sitzen drei Chinesen mit Mundmasken und ich kann Dino nur schwer zurückhalten, sie zu fragen, wann denn nun endlich der Kontrabaß dazukommt.“

  2. Zug fahren stelle ich mir sehr interessant vor in Indien… Da gibt’s so einen Film, wo drei Brüder einmal durch Indien fahren. Der ist sehr lustig. Hab leider den Namen vergessen…
    Waren aber auch Schlafabteile…

  3. Wieder mal ein super Beitrag Verena! Dino, nimm Dir mal ein Beispiel an Verena, statt immungeschwächte Chinesen zu belästigen.
    Übrigens CC steht für Air Conditioned Chair Car. Liegt doch auf der Hand 😉

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